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Der römische Vicus Turicum (Zürich). Entwicklung und Funktionen einer städtischen Siedlung zwischen Alpenraum und Rheinprovinzen
Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung und Stadtarchäologie Zürich.
Seit der Renaissance weiss man, dass Zürich mit dem in römischen Inschriften genannten Turicum zu identifizieren ist. Die ersten wichtigen Impulse erhielt die Erforschung des ur- und frühgeschichtlichen und römischen Zürich im 19. Jh. durch die unermüdliche Aufmerksamkeit von Ferdinand Keller, einem der Begründer der Schweizerischen Archäologie. Wegen der aufblühenden Stadt des 19. Jh. blieben aber (und bleiben bis heute) viele archäologische Aufschlüsse lückenhaft.
In den Jahren 1937/38 untersuchte der Archäologe Emil Vogt die Kuppe des Lindenhofs, höchster Punkt eines Moränenausläufers zwischen den Flüssen Sihl und Limmat. Während es ihm gelang, auf dem Lindenhof verschiedene Etappen der Besiedlung von der frühen Kaiserzeit bis zur Spätantike und ins Mittelalter nachzuweisen, hielt er eine Besiedlung in keltischer Zeit für nicht erwiesen. Dasselbe Siedlungsmuster - eine römische Kleinstadt mit zeitweise einer militärischen Besatzung seit augusteischer Zeit - vertrat er 1971 zusammen mit dem Althistoriker Ernst Meyer auch in einer alle damals bekannten Fundstellen einbeziehenden Studie über „Zürich von der Urzeit bis zum Mittelalter“.
Rettungsgrabungen im Vorfeld von Baumassnahmen seit den 1970er Jahren brachten zahlreiche neue Aufschlüsse im Gebiet der Altstadt, die aber grösstenteils unbearbeitet blieben. Verdacht auf spätkeltische Siedlungsreste hatten 1997 Funde aus untersten Schichten an der Fortunagasse geweckt. Sie führten, in Zusammenarbeit mit der Stadtarchäologie Zürich, zu dem am Institut UFG&ARP angesiedelten Projekt, an dem sich auch die Kantonsarchäologie Zürich beteiligt.
Im Rahmen des Projektes konnten zwei spätlatènezeitliche Siedlungshorizonte (Latène D2) mit Gebäuden und Infrastruktur herausgearbeitet werden, gefolgt von einer vor- bis frühaugusteischen und einer augusteischen Periode, während der römisches Militär nachweisbar ist.
Aus dem Projekt sind eine Berner Dissertation und Spezialuntersuchungen zur Topographie von Zürich in ur- und frühgeschichtlicher Zeit, zu den keltischen und römischen Münzen, zu den importierten Lebensmitteln und zu den Tierknochen hervorgegangen. Im Frühjahr 2003 fand in Zürich eine internationale Tagung zum Forschungsschwerpunkt Siedlungen und Funde des 1. Jahrhunderts vor und nach Christus statt.
Die spätkeltischen bis frühkaiserzeitlichen Siedlungshorizonte wurde publiziert; ein zweiter Band mit den mittelkaiserzeitlichen bis spätantiken Befunden (Turicum II) ist in Vorbereitung.